Di  28.09.2010
Konzert  |  20:00 Uhr   | VVK tba. €, AK tba. €
F.R.
Bis an die Seele bewaffnet.


Falls Hiphop heutzutage überhaupt noch etwas mit Aufstand zu tun hat, ist es allenfalls entwaffnende Ehrlichkeit die F.R. im Anschlag hat. Der charismatische junge Mann, der das Etikett ‘Wunderkind‘ nie nötig hatte und längst hinter sich gelassen hat, ist - vor allem sich selbst gegenüber - beeindruckend direkt.

Eine Künstlerkarriere mit 11 Jahren zu beginnen und mit 14 bereits das erste Album zu veröffentlichen, hat vor allem dann mit außerordentlichem Talent und gehörigem Ehrgeiz zu tun, wenn man aus Braunschweig kommt und einen Pastor zum Vater hat. Beides nicht unbedingt die Wiege von Originalität und Rebellion. Gewundert hat es F.R. trotzdem schon damals nicht wirklich, dass er auf Anhieb Erfolg hat und einen Battle nach dem anderen gewinnt. Nicht, weil er sich eitel überschätzt, sondern weil er Rap als Ausdrucksform ernst nimmt. Musik ist eine Leidenschaft, an der er sich misst und bei der er selbst sein größter Kritiker ist. Anerkennung von Kollegen und Medien nimmt er zwar zur Kenntnis, hat aber keine Zeit sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Im Gegenteil: „übermotiviert und rastlos“ findet er sich und ist davon überzeugt, dass „mir niemand mehr in den Arsch tritt als ich selbst“.

Anders ist es wohl auch nicht zu erklären, dass der heute 20-jährige bereits ein etablierter Künstler ist und auf 3 Studioalben, einige Features, etliche Singles und noch mehr Live Auftritte zurückblicken kann. Entscheidend ist für den Abiturienten dabei aber nicht etwa, dass er mittlerweile musikalisch in der ersten Liga spielt, sondern dass er es geschafft hat, bei sich zu bleiben. „Einzigartig an mir als Künstler ist, dass ich mit 14 Texte geschrieben und raus gebracht habe und genauso dann mit 16 und 18. Man kann sozusagen mein Seelenleben auf CD gepresst verfolgen - vor, während und nach der Pubertät.“ Wie man sich dabei fühlt, beschreibt er zum Beispiel auf dem aktuellen Track “Truemanshow“ eindringlich.

Unangenehm ist ihm aber - trotz schonungsloser Offenheit - keiner seiner Tracks, denn zu seinen Schwächen steht der gut aussehende MC ebenso souverän wie zu seinen Stärken. Vermeintliche Rap-Arroganz, wie sie auch auf seinem vierten Album
“Wer bist Du?“ (VÖ 14.05.2010) zu hören sein wird, erweist sich bei genauem Hinhören als Selbstgespräch, in dem er eigene Unzulänglichkeiten messerscharf beobachtet und sich dabei selbst unerbittlich zu Höherem antreibt.

Grinsend gibt er zu, dass sein Künstlername „nicht besonders kreativ“ sei, weil ihm „mit 11 eben nichts Besseres einfiel“. Er konnte ja nicht ahnen wie schnell seine Initialen in aller Munde sein würden. Ebenso ehrlich bekennt er auf der Suche zu sein. Nach seiner Berufung, nach tatsächlichem Erfolg und nach der richtigen Balance aus künstlerischer Bescheidenheit und medialer Präsenz. Sich seiner Zerrissenheit bewusst zu sein, zeugt von Reflektion - sie auszusprechen, und noch dazu öffentlich zu machen, von einem starken Charakter.



Mit Klischees kommt man also nicht weit, bei F.R.: er ist ein Pastorensohn, der überaus tolerant erzogen wurde; ein eigentlich eher zurückhaltender Mensch,
der Pessimismus in Antrieb verwandelt und schon 2008 dem so genannten ‘Gangster Rap’ seinen Hit “Rap braucht Abitur“ entgegensetzt und ein begehrter Musiker, der unprätentiös preisgibt, dass sein Lebensstil ihn „natürlich nicht“ daran hindern würde eine Beziehung einzugehen. Es müsse eben nur die Richtige sein.

Am besten, man begegnet Fabian Römer mit dem Respekt, den er sich in den letzten 8 Jahren erarbeitet hat und hört dem klugen jungen Mann gut zu, wenn er
auf seinem kommenden Album persönlich wird. Dann kann das Platituden-Arsenal nämlich getrost im Schrank bleiben – F.R. hat mehr als genug zu sagen.

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