Torge Ebeling im Interview zu Nachhaltigkeit und Clubkultur
- Johanna Schmidt
- 12. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Torge Ebeling ist Nachhaltigkeitsberater und hat auch den Grüner Jäger auf seinem Weg zu einem nachhaltigen Club beraten. Wir haben mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

Wie bist du eigentlich dazu gekommen, dich auf Energieeffizienz in Musikclubs zu spezialisieren? Das ist ja eine ziemlich ungewöhnliche Nische.
TE: Das war Zufall. Ich mache seit ca. 17 Jahren Energieeffizienzberatung für Industrie und Gewerbe und seit ca. 8 Jahren selbstständig mit der T-Green Energieberatung. Daher habe ich in Hamburg und Umgebung ein gutes Netzwerk, wodurch das Clubkombinat über Empfehlungen auf mich zu gekommen ist. Da ich mich gerne in der Szene bewege und
auch hier Bedarf zur Optimierung besteht, habe ich die Musikclubs mit in meinen Arbeitsgebiet aufgenommen.
Was war dein erster Eindruck, als du den Grünen Jäger das erste Mal betreten hast –
energetisch gesehen?
TE: Es ist schon eine Herausforderung solch ein altes und historisches Gebäude aus
energetischer Sicht auf einen guten Stand zu bringen. Überrascht war ich, dass ein Teil
der Anlagen (z.B. Lüftung) sehr modern sind.
Welche konkreten Bereiche hast du im Grünen Jäger unter die Lupe genommen, und wo
gab es die größten Einsparpotenziale?
TE: Ich habe alle stromverbrauchenden Anlagen im Detail aufgenommen und bewertet. Auch
die Wärmeversorgung habe ich beurteilt. Bei der Gebäudehülle habe ich auf
offensichtliche Mängel hingewiesen. Ein großes Potenzial bestand im Abschalten von
Anlagen, die nicht benötigt werden, wie z.B. die Warmwasserbereitung im Keller, wo ein
großer Wärmespeicher das ganze Jahr auf 60 °C gehalten wird, ohne dass diese
Warmwassermenge benötigt wird.
Gab es Überraschungen während der Beratung – Dinge, die besser oder schlechter liefen
als erwartet?
TE: Eigentlich nicht. Nur die üblichen Aha-Momente, wenn man sich mal näher mit bestimmten
Themen oder Betriebsweisen der Anlagen beschäftigt und man feststellt, dass das so
doch gar nicht zur eigenen Betriebsführung passt.
Clubs haben ja spezielle Anforderungen: Licht, Sound, Kühlung. Wo liegen die größten
Energiefresser in einem typischen Club wie dem Grünen Jäger?
TE: Ergänzen würde ich hier noch die Lüftung, denn neben Licht, Sound und Kühlung ist in
vielen Clubs die Lüftungsanlage ein großer Verbraucher. Hier verbirgt sich auch ein
großes Potenzial die Anlagen nur dann in Betrieb zu haben, wenn sie auch wirklich
benötigt werden. So etwas lässt sich auch automatisieren, was gerade bei der
Lüftungstechnik mit geeigneten Sensoren (Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2) und
Steuerung zu hohen Einsparungen führen kann. Auch bei Kühltresen oder Kühlhäuser hat
sich gezeigt, dass diese nur für die Veranstaltung angestellt werden müssen und man
dadurch eine Menge Strom spart. Wichtig ist hier aus hygienischer Sicht jede einzelne
Anlage zu untersuchen.
Welche Maßnahmen habt ihr gemeinsam umgesetzt, die den größten Impact auf die
Energiebilanz hatten?
TE: Ich hatte dem Grünen Jäger meine Vorschläge zur Optimierung der Energieverbräuche
mitgeteilt und besprochen. Einige Punkte, die wir schon bei der Vorortbegehung
besprochen hatten, wurden dann schon vom Team angestoßen. Ich war sehr beeindruckt
das alle Maßnahmen bewertet und in die Umsetzung gegangen sind. Eine
bedarfsgerechte Regelung der Lüftung und Kühlanlagen hat als einen großen
Einflussfaktor auf den Energieverbrauch herauskristalisiert.
Wie gehst du mit dem Spannungsfeld zwischen Atmosphäre und Energieeffizienz um?
Schließlich lebt ein Club ja auch von seiner Stimmung und Beleuchtung.
TE: Ich sehe da kein Spannungsfeld. Ein bewusster Umgang mit den Ressourcen führt in der
Clubwelt nicht zu Verzicht, sondern transformiert auch diesen Bereich unseres Lebens hin
zu einer treibhausgasneutralen Zukunft. Die Freude an Musik, Licht und Atmosphäre geht
dadurch nicht verloren.
LED-Technik ist ja mittlerweile Standard – aber was sind die wirklich smarten Lösungen,
die über die Basics hinausgehen?
TE: Smarte Lösungen finden wir bereits bei einigen Clubs, wie das „Übel & Gefährlich“ oder
der „Klunkerkranich“, wo allen Einheiten über Sensoren geschaltet werden und die
Einzelverbräuche der Anlagen aufgezeichnet werden. Zusätzliche werden Wetterdaten,
Besucherzahlen und Buchungen ermittelt, worüber z.B. die Lüftungsanlagen genau weiß,
ab wann mit dem Betrieb begonnen werden muss.
Viele denken, Nachhaltigkeit ist teuer. Wie schnell amortisieren sich Investitionen in
Energieeffizienz bei einem Club wie dem Grünen Jäger?
TE: Das ist sehr schwer zu beantworten. Einige Maßnahmen sind organisatorischer Natur und
rechnen sich sofort, sobald sich jemand damit beschäftigt hat. Bei größeren Sachen, wie
z.B. neue, hocheffiziente Kühlanlagen ist eine Amortisation über die Einsparungen erst
sehr spät zu erwarten.
Du bietest auch Fördermittelberatung an – welche Förderprogramme sind besonders
relevant für Clubs, und wie unterstützt du dabei?
TE: Neben den lokalen Fördermitteln der IFB in Hamburg, gibt es Bundesprogramme des
BAFA oder der KFW (BEG – Bundesförderung effizierte Gebäude, Bundesförderung für
Energie- und Ressourceneffizienz), die Zuschüsse für den Einbau von Wärmepumpen,
Messtechnik, Lüftungsanlagen und vieles weitere zahlen, um einen Anreiz zur Steigerung
der Energieeffizienz zu schaffen.
Der Grüner Jäger ist Mitglied bei „Zukunft Feiern". Wie bewertest du diese Bewegung für
nachhaltige Clubkultur?
Das ist eine tolle Initiative, um sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen und das eigene
Handeln bezüglich zukunftsorientierte Clubkultur zu verbessern.
Was unterscheidet das Engagement des Grünen Jägers von anderen Clubs, die du
beraten hast?
TE: Das Stichwort ist Engagement. Ich war sehr beeindruckt, mit welcher Begeisterung der
Grüne Jäger Themen aus dem großen Bereich der Nachhaltigkeit auf die Agenda gesetzt
hat und sich in allen Bereichen verbessern möchte.
Wenn du in die Zukunft schaust: Wo steht die Clubszene in Sachen Energieeffizienz in
zehn Jahren? Was ist technisch möglich?
TE: Wir haben viele gute Beispiele, wie auch die Clubszene nachhaltig und
treibhausgasneutral gestaltet werden kann. Durch all diese Vorreiter und Austausch
innerhalb der Szene werden die jetzigen Themen wie intelligente Steuerung der Anlagen,
nachhaltiger und lokaler Einkauf, kein Einsatz von fossiler Energieträger zum Standard
und notwendig, da es von den Kund*innen gefordert wird.
Was können andere Clubs vom Grünen Jäger lernen? Was wären deine Top-3-Tipps für
Club-Betreiber*innen, die nachhaltiger werden wollen?
TE
- Hinterfragen, wann und warum die Anlagen (Kühlung, Lüftung, Warmwasser,
Heizung, etc.) laufen
- Sich der Initiative „Zukunft Feiern“ anschließen, da man darüber einen Zugang und
Unterstützung zu diversen Themen rund um Nachhaltigkeit bekommt.
- Tue Gutes und rede drüber!
Kann man in einem energieeffizienten Club genauso gut feiern wie in einem
konventionellen – oder sogar besser?
TE: Natürlich. Wenn ich die Wahl habe, würde ich immer den nachhaltig ausgerichteten Club
wählen. Es ist aus meiner Sicht nicht notwendig alles 100% zu machen. Sich aber mit den
Themen auseinander zu setzten und das zu machen, was möglich ist, macht für mich den
entscheidenden Unterschied aus. Hin zu einer nachhaltigen Zukunft!
Du warst Mitglied in der Jury für den Nachhaltigkeits-Clubaward vom Clubkombinat.
Was war für dich ausschlaggebend, dass der Grüner Jäger den Award gewonnen
hat?
TE: Das hatte ich vorhin schon gesagt. Das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit vom gesamten
Team hat mich sehr beeindruckt.
