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Torge Ebeling im Interview zu Nachhaltigkeit und Clubkultur

Torge Ebeling ist Nachhaltigkeitsberater und hat auch den Grüner Jäger auf seinem Weg zu einem nachhaltigen Club beraten. Wir haben mit ihm über seine Arbeit gesprochen.


Eine grüne Discokugel

Wie bist du eigentlich dazu gekommen, dich auf Energieeffizienz in Musikclubs zu spezialisieren? Das ist ja eine ziemlich ungewöhnliche Nische.

TE: Das war Zufall. Ich mache seit ca. 17 Jahren Energieeffizienzberatung für Industrie und Gewerbe und seit ca. 8 Jahren selbstständig mit der T-Green Energieberatung. Daher habe ich in Hamburg und Umgebung ein gutes Netzwerk, wodurch das Clubkombinat über Empfehlungen auf mich zu gekommen ist. Da ich mich gerne in der Szene bewege und

auch hier Bedarf zur Optimierung besteht, habe ich die Musikclubs mit in meinen Arbeitsgebiet aufgenommen.


Was war dein erster Eindruck, als du den Grünen Jäger das erste Mal betreten hast –

energetisch gesehen?

TE: Es ist schon eine Herausforderung solch ein altes und historisches Gebäude aus

energetischer Sicht auf einen guten Stand zu bringen. Überrascht war ich, dass ein Teil

der Anlagen (z.B. Lüftung) sehr modern sind.


Welche konkreten Bereiche hast du im Grünen Jäger unter die Lupe genommen, und wo

gab es die größten Einsparpotenziale?

TE: Ich habe alle stromverbrauchenden Anlagen im Detail aufgenommen und bewertet. Auch

die Wärmeversorgung habe ich beurteilt. Bei der Gebäudehülle habe ich auf

offensichtliche Mängel hingewiesen. Ein großes Potenzial bestand im Abschalten von

Anlagen, die nicht benötigt werden, wie z.B. die Warmwasserbereitung im Keller, wo ein

großer Wärmespeicher das ganze Jahr auf 60 °C gehalten wird, ohne dass diese

Warmwassermenge benötigt wird.


Gab es Überraschungen während der Beratung – Dinge, die besser oder schlechter liefen

als erwartet?

TE: Eigentlich nicht. Nur die üblichen Aha-Momente, wenn man sich mal näher mit bestimmten

Themen oder Betriebsweisen der Anlagen beschäftigt und man feststellt, dass das so

doch gar nicht zur eigenen Betriebsführung passt.


Clubs haben ja spezielle Anforderungen: Licht, Sound, Kühlung. Wo liegen die größten

Energiefresser in einem typischen Club wie dem Grünen Jäger?

TE: Ergänzen würde ich hier noch die Lüftung, denn neben Licht, Sound und Kühlung ist in

vielen Clubs die Lüftungsanlage ein großer Verbraucher. Hier verbirgt sich auch ein

großes Potenzial die Anlagen nur dann in Betrieb zu haben, wenn sie auch wirklich

benötigt werden. So etwas lässt sich auch automatisieren, was gerade bei der

Lüftungstechnik mit geeigneten Sensoren (Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2) und

Steuerung zu hohen Einsparungen führen kann. Auch bei Kühltresen oder Kühlhäuser hat

sich gezeigt, dass diese nur für die Veranstaltung angestellt werden müssen und man

dadurch eine Menge Strom spart. Wichtig ist hier aus hygienischer Sicht jede einzelne

Anlage zu untersuchen.


Welche Maßnahmen habt ihr gemeinsam umgesetzt, die den größten Impact auf die

Energiebilanz hatten?

TE: Ich hatte dem Grünen Jäger meine Vorschläge zur Optimierung der Energieverbräuche

mitgeteilt und besprochen. Einige Punkte, die wir schon bei der Vorortbegehung

besprochen hatten, wurden dann schon vom Team angestoßen. Ich war sehr beeindruckt

das alle Maßnahmen bewertet und in die Umsetzung gegangen sind. Eine

bedarfsgerechte Regelung der Lüftung und Kühlanlagen hat als einen großen

Einflussfaktor auf den Energieverbrauch herauskristalisiert.


Wie gehst du mit dem Spannungsfeld zwischen Atmosphäre und Energieeffizienz um?

Schließlich lebt ein Club ja auch von seiner Stimmung und Beleuchtung.

TE: Ich sehe da kein Spannungsfeld. Ein bewusster Umgang mit den Ressourcen führt in der

Clubwelt nicht zu Verzicht, sondern transformiert auch diesen Bereich unseres Lebens hin

zu einer treibhausgasneutralen Zukunft. Die Freude an Musik, Licht und Atmosphäre geht

dadurch nicht verloren.


LED-Technik ist ja mittlerweile Standard – aber was sind die wirklich smarten Lösungen,

die über die Basics hinausgehen?

TE: Smarte Lösungen finden wir bereits bei einigen Clubs, wie das „Übel & Gefährlich“ oder

der „Klunkerkranich“, wo allen Einheiten über Sensoren geschaltet werden und die

Einzelverbräuche der Anlagen aufgezeichnet werden. Zusätzliche werden Wetterdaten,

Besucherzahlen und Buchungen ermittelt, worüber z.B. die Lüftungsanlagen genau weiß,

ab wann mit dem Betrieb begonnen werden muss.


Viele denken, Nachhaltigkeit ist teuer. Wie schnell amortisieren sich Investitionen in

Energieeffizienz bei einem Club wie dem Grünen Jäger?

TE: Das ist sehr schwer zu beantworten. Einige Maßnahmen sind organisatorischer Natur und

rechnen sich sofort, sobald sich jemand damit beschäftigt hat. Bei größeren Sachen, wie

z.B. neue, hocheffiziente Kühlanlagen ist eine Amortisation über die Einsparungen erst

sehr spät zu erwarten.


Du bietest auch Fördermittelberatung an – welche Förderprogramme sind besonders

relevant für Clubs, und wie unterstützt du dabei?

TE: Neben den lokalen Fördermitteln der IFB in Hamburg, gibt es Bundesprogramme des

BAFA oder der KFW (BEG – Bundesförderung effizierte Gebäude, Bundesförderung für

Energie- und Ressourceneffizienz), die Zuschüsse für den Einbau von Wärmepumpen,

Messtechnik, Lüftungsanlagen und vieles weitere zahlen, um einen Anreiz zur Steigerung

der Energieeffizienz zu schaffen.


Der Grüner Jäger ist Mitglied bei „Zukunft Feiern". Wie bewertest du diese Bewegung für

nachhaltige Clubkultur?

Das ist eine tolle Initiative, um sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen und das eigene

Handeln bezüglich zukunftsorientierte Clubkultur zu verbessern.


Was unterscheidet das Engagement des Grünen Jägers von anderen Clubs, die du

beraten hast?

TE: Das Stichwort ist Engagement. Ich war sehr beeindruckt, mit welcher Begeisterung der

Grüne Jäger Themen aus dem großen Bereich der Nachhaltigkeit auf die Agenda gesetzt

hat und sich in allen Bereichen verbessern möchte.


Wenn du in die Zukunft schaust: Wo steht die Clubszene in Sachen Energieeffizienz in

zehn Jahren? Was ist technisch möglich?

TE: Wir haben viele gute Beispiele, wie auch die Clubszene nachhaltig und

treibhausgasneutral gestaltet werden kann. Durch all diese Vorreiter und Austausch

innerhalb der Szene werden die jetzigen Themen wie intelligente Steuerung der Anlagen,

nachhaltiger und lokaler Einkauf, kein Einsatz von fossiler Energieträger zum Standard

und notwendig, da es von den Kund*innen gefordert wird.


Was können andere Clubs vom Grünen Jäger lernen? Was wären deine Top-3-Tipps für

Club-Betreiber*innen, die nachhaltiger werden wollen?

TE

- Hinterfragen, wann und warum die Anlagen (Kühlung, Lüftung, Warmwasser,

Heizung, etc.) laufen

- Sich der Initiative „Zukunft Feiern“ anschließen, da man darüber einen Zugang und

Unterstützung zu diversen Themen rund um Nachhaltigkeit bekommt.

- Tue Gutes und rede drüber!


Kann man in einem energieeffizienten Club genauso gut feiern wie in einem

konventionellen – oder sogar besser?

TE: Natürlich. Wenn ich die Wahl habe, würde ich immer den nachhaltig ausgerichteten Club

wählen. Es ist aus meiner Sicht nicht notwendig alles 100% zu machen. Sich aber mit den

Themen auseinander zu setzten und das zu machen, was möglich ist, macht für mich den

entscheidenden Unterschied aus. Hin zu einer nachhaltigen Zukunft!


Du warst Mitglied in der Jury für den Nachhaltigkeits-Clubaward vom Clubkombinat.

Was war für dich ausschlaggebend, dass der Grüner Jäger den Award gewonnen

hat?

TE: Das hatte ich vorhin schon gesagt. Das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit vom gesamten

Team hat mich sehr beeindruckt.

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